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Time Cover 05-06-1991

Scientology:
Kult der Habgier und Macht.

Special Report (Cover story)
6 Mai, 1991
Copyright © 1991 Time Magazine

Time Magazine Special Report The Thriving Cult of Greed and Power by
Richard Behar 05-06-1991

 

Ruinierte Leben. Verlorene Vermögen. Verbrechen. Scientology gibt sich als Religion aus aber wirklich ist es eine mitleidlose globale Masche– und Macht sowie Habgier ist das Hauptziel.

von Richard Behar

 

Allem Anschein nach war Noah Lottick aus Kingston, Pa. ein ganz normaler glücklicher 24 jähriger Jugendlicher, der sich seine Platz an der Sonne suchte. An dem Tag im letzten Juni als seine Eltern nach New York City fuhren um seinen Körper in Empfang zu nehmen waren sie fast vor Kummer gelähmt.

Dieser junge Mann, der die russische Sprache studierte, sprang vom 10 Stock der Milford Plaza Hotels aus dem Fenster und schlug auf dem Dach einer langen Limousine auf. Als die Polizei kam hatte er immer noch 171 Dollar in bar in seiner Hand, offensichtlich das einzige Geld, das er nicht bei der Church of Scientology, einer „philosophischen“ Selbsthilfegruppe, die er sieben Monate vorher entdeckte, ausgegeben hatte.

Sein Tod veranlasste seinen Vater, einen Arzt, seine eigenen Ermittlungen bezüglich der Kirche anzustellen. „Wir dachten Scientology sei so etwas ähnliches wie Dale Cernegie,“ sagte Lottick. „Heute meine ich, es ist eine Schule für Psychopaten. Ihre sogenannten Therapien sind Manipulationen. Sie nehmen sich die besten und fröhlichsten Menschen und zerstören sie.“ Die Lutticks wollten die Kirche wegen Mitverschuldens am Tod ihres Sohnes verklagen, aber die Vorstellung hatte sie verängstigt. Vor fast 40 Jahren, hat sich die gesamten Geschäft von Scientology unter den Schutz des ersten Artikels gestellt, genauso wie sie sich eine ganze Batterie von hochbezahlten kriminellen Anwälten und zweifelhaften Privatdetektiven genommen haben.

Die Church of Scientology, gegründet von dem Science-Fiction Schreiber L. Ron Hubbard um Menschen „clear“ zu machen und von allem Unglück zu befreien, bezeichnete dies selber als Religion. In Wirklichkeit ist die Kirche eine hochprofitable umfassende Gaunerei, die damit überlebt, dass sie ihre Mitglieder und Kritiker in Mafia-Manier einschüchtert. Ende der 70iger Jahre schien durch Ermittlungen gegen Scientology diese ganze Gefahr etwas gebannt. Elf hochrangige Scientologen, einschließlich der Ehefrau von Hubbard, wurden Anfang 1980 zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie mehr als 100 private und staatliche Stellen unterwanderten, eingebrochen sind und abgehö rt haben, nur um entsprechende Ermittlungen zu verhindern. In den letzten Jahren sind Hunderte von langjährigen Scientology Anhängern – viele von ihnen waren geistig und physisch missbraucht worden – aus der Kirche ausgetreten und sind durch ihre Kritik ein Risiko eingegangen. Einige haben die Kirche verklagt und gewonnen; andere haben sich für Zahlung von bis zu 500.000 Dollar geeinigt. In verschiedenen Fällen haben Richter die Kirche als „ schizophren und paranoid“ bezeichnet sowie als „korrupt, undurchsichtig und gefährlich.“

Weder Skandale noch Prozesse haben dazu geführt Scientology klein zu kriegen. Die Bedrohungen durch die Gruppe, die sich rühmt 700 Niederlassungen in 65 Ländern zu haben, scheint boshafter und einflussreicher zu werden als jemals zuvor. Scientology versucht nach ganz oben zu gelangen, eine Strategie, die dazu führte, dass es zu einer neuen Prozesslawine gegen die Kirche kam. Viele der Anhänger der Gruppe wurden wegen finanziellen Betrugs angeklagt, während die Kirche eifrig versucht die Unvorsichtigkeiten wieder wett zu machen, indem sie weit angelegte Frontgruppen einrichtet, die für Tätigkeiten wie Beratung, Gesundheitswesen und sogar für Nachhilfeunterricht werben.

In Hollywood hat Scientology eine Truppe von Berühmtheiten durch aggressive Methoden eingefangen und verwöhnt sie in den „Celebrity Centers“ der Kirche, eine Kette von Clubhäusern, die teuere Betreuung und berufliche Beratung anbieten. Darunter befinden sich die Filmidole Tom Cruise und John Travolta, die Schauspielerin Kirstie Alley, Mimi Roger und Anne Archer, der Künstler und Bürgermeister von Palm Springs, Sonny Bono, der Jazmusiker Chick Corea und ebenso Nancy Cartwright, die Stimme des Cartoon Stars Bart Simpson. Wie auch immer, hochrangige Mitglieder, die Scientology etwas Glanz verleihen.

Nach Angaben des Cult Awareness Network, der in 23 Kapiteln darlegt, dass es mehr als 200 Sekten mit „mind control“ gibt, dass aber zu keiner dieser Gruppen mehr Hilferufe erfolgen als zu Scientology. Cynthia Kisser, die Leiterin der Niederlassung in Chicago sagt: „Scientology ist fast wie alle Rücksichtslosen, mit klassischen Terrormethoden sowie Klagemethoden behaftet und ist der lukrativste Kult, den unser Land je gesehen hat. Kein Kult holt aus seinen Mitgliedern diese Menge an Geld heraus.“ Dies bedeutet Übereinstimmung mit Vicki Aznaran, die einst eine der sechs führenden Köpfe von Scientology war, bis sie 1987 aus der Kirche austrat: „Das ist eine kriminelle Organisation, Tag für Tag. Sie lässt Jim und Tammy (Bakker) wie einen Kindergarten aussehen.“ Um die Entwicklung von Scientology zu ergründen, führte das Time Magazine mehr als 150 Interviews durch und sichtete Hunderte von Berichten und interne Dokumente von Scientology. Leitende Mitarbeiter der Kirche verweigerten Interviews. Die Untersuchungen ergaben das Bild von einem moralisch verdorbenen und dennoch blühendem Unternehmen. Viele Kulte überleben ihren Grü nder nicht, aber Scientology gedieh seit Hubbards Tod 1986 weiter. In einem Gerichtsverfahren gegen eines der vielen Unternehmen des Kults – der Church of Scientology Technology – wurde ein Einkommen von 503 Millionen Dollar für das Jahr 1987 vermerkt. Hochrangige Aussteiger sagen, dass die Mutterorganisation etwa 400 Millionen Dollar auf Banken nach Lichtenstein, Schweiz und Zypern verschoben hat. Scientology hat ungefähr 50.000 aktive Mitglieder, weit entfernt von den 8 Millionen wie die Gruppe behauptet. Aber in einer Weise dü rfte dies stimmen: Millionen von Menschen sind auf die eine oder andere Weise mit Hubbards bizarren Kreationen in Berührung gekommen.

Scientology wird nun von David Miscavige geführt, einem 31 Jährigen mit abgebrochenem Gymnasium aus der zweiten Generation von Kirchenmitgliedern. Aussteiger beschreiben ihn als gerissen, rücksichtslos und so paranoid bezüglich möglicher Feinde, dass er sein Wasserglas mit einem Plastiktuch abdeckt. Seine Vorstellung ist, für Scientology in den 90ziger Jahren die volle Anerkennung als Religion zu erreichen. Neben anderen Taktiken hat die Gruppe:

  • Das PR-Unternehmen Hill und Knowlton beauftragt dabei behilflich zu sein das Image der Kirche zu steigern.
  • Sich mit solchen Namen wie Sony und Pepsi verbunden, die als ein HauptSponsor von Ted Turners Goodwill Games gelten.
  • Massiv hohe Anzahlen von ihren eigenen Büchern in Geschä ften gekauft, um so die Titel auf die Bestseller Liste zu bekommen.
  • Ganzseitige Anzeigen in solchen Publikationen wie Newsweek und Business Week veröffentlicht, in denen Scientology eine „Philosophie“, genannt wird, zu-sammen mit einem Block von TV Anzeigen, die die Bücher der Gruppe an- priesen.
  • Reiche und angesehene Fachleute angeworben und zwar durch ein Netz von Beratungsunternehmen, die natürlich ihre Verbindung zu Scientology ver schwiegen haben.

    Der Gründer dieser Unternehmungen war zum einen Teil Geschichtenerzähler, zum anderen Teil ein Gernegroß. Geboren 1911 in Nebraska, diente Hubbard während des zweiten Weltkriegs in der Navy und bald danach beschwerte er sich bei der Veteranenvereinigung über seinen „Hang zum Selbstmord“ und seinem „ernsthaft angegriffenen“ Geisteszustand. Hubbard war ein mäßig erfolgreicher Science Fiction Schriftsteller. Jahre später beschreiben ihn Broschüren fälschlicherweise als „ hochdekorierten“ Held des zweiten Weltkrieges, der in Ausübung seiner Pflicht verkrüppelt und erblindet ist, zweimal für tot erklärt wurde und rä tselhafter weise durch Scientology geheilt wurde. Hubbards „Doktor“ von der „Sequoia Universität“ war eine gefälschte Auszeichnung. In einer gerichtlichen Auseinandersetzung aus dem Jahre 1984 , den die Kirche gegen einen Biographen von Hubbard angestrengt hatte, gelangte ein Kalifornischer Richter zu der Auffassung, dass deren Gründer „ein pathologischer Lügner“ war.

    Hubbard verfasste im Jahre 1950 einen der heiligen Texte von Scientology, Dianetik: Die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit. Dort beschrieb er eine unausgegorene psychotherapeutische Technik namens „auditing.“ Er erfand auch einen schlichten Lügendetektor (E-Meter genannt), der die elektrischen Veränderungen der Haut messen konnte während der Betreffende Einzelheiten aus seiner Vergangenheit berichtete. Hubbard behauptete, dass alles Negative auf mentalen Aberrationen (oder „Engrammen“) beruht, verursacht durch frühere traumatische Erlebnisse. Beratende Sitzungen mit dem E- Meter, so behauptete er, können diese Engramme löschen, Blindheit heilen und sogar die Intelligenz und das Ansehen einer Person steigern.

    Hubbard ging dazu über einzelne Schritte zu schaffen, immer teuerer für seine Anhänger, um diese zu erreichen. In den 60ziger Jahren entdeckte der Guru, dass die Menschen aus geistigen clusters bestehen (oder „ Thetans“), die vor etwa 75 Millionen Jahren durch einen grausamen Galaktischen Führer namens Xenu auf die Erde verbannt wurden. Natürlich müssen diese Thetans auditiert werden.

    Der Internal Revenue Service beschloss 1967 der Mutterkirche von Scientology den Status der Steuerbefreiung zu entziehen. Ein Bundesgericht traf 1971 die Feststellung, dass die medizinischen Behauptungen seitens Hubbard falsch sind und dass das Auditing mit dem E-Meter nicht mehr als Behandlung auf wissenschaftlicher Basis bezeichnet werden kann. Hubbards Antwort bestand darin, dass er sich bezüglich seiner religiösen Ansichten voll auf Schutz des First Amendment bezog und strenge Regeln für Scientology einführte. Seine „ Geistlichen“ trugen dem entsprechende weiße Kragen. Es wurden Kapellen gebaut, Franchise-Nehmer wurden „Missions“, Gebühren wurden als „Spenden deklariert“ und Hubbards Comic-Bücher wurden zu „Heiligen Schriften“.

In den frühen 70iger Jahren führte der IRS seine eigenen Prüfungen durch und stellte dabei fest, dass Hubbard der Kirche Millionen von Dollar entzog, dieses Geld über dubiose Firmen in Panama wusch und auf seine eigenen Konten in der Schweiz überwies. Überdies haben Kirchenmitglieder, die Dokumente der IRS stahlen falsche Steuerrückzahlungsbelege hinterlassen und damit die Mitarbeiter der Behörde in Schwierigkeiten gebracht. Ende 1985 haben hochrangige Aussteiger Hubbard beschuldigt mehr als 200 Millionen Dollar von der Kirche gestohlen zu haben weshalb der IRS Hubbard des Steuerbetrugs beschuldigte. Mitglieder von Scientology „arbeiteten Tag und Nacht“ um all die Dokumente zu vernichten, die der IRS angefordert hatte, so die Aussteigerin Aznaran, die an der Aktion teilgenommen hatte. Hubbard, der sich für fünf Jahre versteckt hielt, starb bevor der Fall zur Verhandlung kommen konnte.

Heute erfindet die Kirche neue kostspielige Dienste mit dem gleichen Eifer wie ihr Gründer. Die Doktrin von Scientology warnen, dass sogar Mitglieder, die „clear“ sind und somit von ihren Engrammen befreit, sich in ernster geistiger Gefahr befinden, es sei denn sie nehmen an immer höheren und teueren Kursen teil. Gemäß der letzten Preisliste der Kirche mü ssen Anfänger – „rohes Fleisch“ (raw meat), wie Hubbard sie genannt hat – für Auditing - Sitzungen mehr als 1.000 Dollar die Stunde bezahlen oder 12,500 Dollar für12 ½ Stunden „Intensive.“

Harriet Baker
HARRIET BAKER, 73, LOST HER HOUSE after Scientologists learned it was debt free and arranged a $45,000 mortage, which they pressured her to tap to pay for auditing. They had approached her after her husband died to help "cure" her grief. When she couldn't repay the mortage, she had to sell.

Psychiater sagen, dass solche Sitzungen ähnlich wie Drogen wirken und durch Bewußtseinskontrolle euphorische Zustände hervorrufen können, die dazu führen, dass die Kunden immer wieder kommen und mehr wollen. Um ihre Gebühren zu bezahlen können Neueinsteiger durch Anwerben von weiteren Mitgliedern das entsprechende Geld verdienen, selber Auditoren werden (Miscavige machte dies im Alter von 12 Jahren) oder sich als Mitarbeiter der Kirche verpflichten, dafür freie Beratung bekommen und im Austausch einen Vertrag ü ber „eine Million Jahre“ unterschreiben. „Stellen sie sicher, dass immer eine hohe Anzahl von Personen vorhanden ist“, erklärt Hubbard nachdrücklich seinen Mitarbeitern in einem seiner Bulletins. „Macht Geld. Macht mehr Geld. Bringt andere dazu Geld zu machen. Wie auch immer ihr sie dazu bringt, machen sie es.“

Harriet Baker bekam die harte Art wie Scientology Geschäfte mit der Religion macht zu spüren. Als Baker 73 Jahre war und ihren Mann durch Krebs verlor, tauchte ein Scientologe bei ihr zu Hause in Los Angeles auf und bot ihr für 1.300 Dollar ein Auditing - Paket an, das ihren Kummer heilen würde. Als die Kosten dann auf 15.000 Dollar stiegen, entdeckte der Scientologe, dass ihr Haus schuldenfrei war. Sie arrangierten eine Hypothek von 45.000 Dollar und zwangen Baker das Geld für weiteres Auditing zu verwenden bis die Kinder von Baker ihrer Mutter zur Hilfe kamen und sie aus ihrer Benommenheit heraus holten. Letzten Juni verlangte Baker 27.000 nicht verbrauchte Dollar zurück, worauf umgehend zwei Sekten-Mitglieder unangemeldet mit einem E-Meter bei ihr vor der Tür standen, um sie zu verhören. Baker erhielt ihr Geld nicht zurü ck und mußte, durch den finanziellen Engpass im September ihr Haus verkaufen.

Noah Lottick
Noah Lottick

Bevor Noah Lottick sich selber umbrachte, hatte er für seine kirchliche Beratung schon über 5.000 Dollar bezahlt. Auch seiDr. and Mrs. Lottickn Verhalten war seltsam geworden. Einmal erwähnte er seinen Eltern gegenüber, dass sein Mentor bei Scientology seine Gedanken lesen könne. Als sein Vater einen ernsthaften Herzanfall erlitt, bestand Noah darauf, dass dies lediglich psychosomatisch begründet sei. Fünf Tage bevor er sprang, stürmte er bei seinen Eltern ins Haus und wollte wissen, warum sie „ falsche Gerüchte“ über ihn verbreiten würden – eine Einbildung, die seinen Vater letztlich dazu veranlaßte einen Psychiater anzurufen.

Es war zu spät. „Von Nohas Freunden bei Dianetik“ stand auf der Karte an einem Blumengebinde zu Lotticks Beerdigung. Allerdings kam kein Mitarbeiter von Scientology um sich zu zeigen. Eine Woche früher hatten lokale Kirchenmitarbeiter Lottiks Eltern zu einer außergewöhnlichen Besichtigung ihres Zentrums eingeladen. Ein führender Mitarbeiter des Kults erzählte den Eltern von Noah dass ihr Sohn einige Stunden in der Kirche gewesen sei bevor er verschwand – aber diese Geschichte bestritt die Kirche sobald die Person identifiziert war. Um bei der Wahrheit zu bleiben, der Kult feilschte sogar mit den Lotticks wegen 3.000 Dollar, die der Sohn schon bezahlt und niemals verbraucht hatte, indem sie behaupteten Noha hätte damit eine „Spende“ gemacht.

Die Kirche hat Hunderte von Einrichtungen und Dienstleistungen erfunden und ihre Mitglieder dazu gedrängt hierfür „Spenden“ zu machen. Wenn sie Schwierigkeiten haben sollten sie möglichst schnell „die Brücke hochgehen“, denn dies sind die Stufen die zur Erleuchtung fü hren? Dann können sie ihren Fall für die einfache „Spende“ von 1.250 Dollar überprüfen lassen. Wollen sie wissen „warum ein Thetan am physischen Universum festhält“? Versuchen sie es mit 52, auf Band festgehaltenen Reden von Hubbard aus dem Jahre 1952 mit dem Titel „Ron’s Philadelphia Doctorate Course Lectures“ für den Preis von 2.525 Dollar. Als nächstes: neun andere Serien der gleichen Art. Für den Sammler in Gold und Leder gebundene Editionen von 22 von Hubbards Büchern (und Bücherstützen) mit Themen, die sich von der scientologischen Ethik bis hin zu Strahlungen bewegen, das ganze für nur 1.900 Dollar.

Um mit Einfluss und durch Lockmittel zahlreiche Anhänger zu gewinnen, hat sich Scientology in verschiedene Frontgruppen und finanzielle Betrügereien aufgeteilt. Darunter sind:

Consulting. Sterling Management Systems, gegründet 1983, sind in den letzten Jahren vom Inc. Magazine als eines der am schnellsten wachsenden Privatunternehmen Amerikas genannt worden (geschätzte Einnahmen 1988: 20 Millionen Dollar). Sterling versendet regelmäßig kostenlose Kettenbriefe (Rundschreiben) an mehr als 300,000 „health-care professionals, meist Zahnärzte, verbunden mit dem Versprechen ihr Einkommen dramatisch zu verbessern. Die Firma bietet Seminare und Kurse an, die ganz typisch [für Scientology] 10.000 Dollar kosten. Aber das wirkliche Ziel von Sterling ist es, neue Kunden fü r Scientology zu gewinnen. „Die Kirche hat ein verfaultes Produkt, deshalb bieten sie es als etwas besonderes an“ sagt Peter Georgiades, ein Anwalt aus Pittsburgh, der Opfer von Sterling vertritt. „ Es ist eine Art von wechselndem Köder“. Der Gründer von Sterling, der Zahnarzt Gergory Hughes wird derzeit von dem kalifornischen Zahnärzteverband auf Unfähigkeit ü berprüft. Neun Gerichtsverfahren wegen Pfusch sind gegen ihn anhängig (sieben davon sind beigelegt) überwiegend wegen Kiefernorthopädischer Arbeit bei Kindern.

 

Time 05-06-1991 The Bridge
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Viele Zahnärzte, die unfreiwillig in den Kult hinein gezogen wurden beabsichtigen entsprechende Gerichtsverfahren einzuleiten. Zahnarzt Robert Geary aus Medina/Ohio, der ein Sterling - Seminar 1988 besuchte, musste „den aller höchsten Druck von Verkaufspraktiken, den er je erlebt hat“ über sich ergehen lassen. Offizielle Mitarbeiter von Sterling erzählten Geary, 45, dass ihre Firma nichts mit Scientology zu tun hat. Aber Geary behauptete, dass sie ihn schließlich doch davon überzeugten, dass er und seine Frau Dorothy persö nliche Probleme hätten, die Auditung notwendig machen würden. Wie die Gearys berichten haben sie in über fünf Monaten 130.000 Dollar für Service gespendet plus 50.000 Dollar für Bücher mit echtem Goldrand und persönlicher Unterschrift von Hubbard. Geary mußte nicht nur darum kämpfen, dass Scientologen nicht einfach seine Bank anrief um den Rahmen seiner Kreditkarte zu erhöhen, sondern sie fälschten auch seine Unterschrift auf einer 20.000 Dollar Kredit Anfrage. „Es war irrsinnig“ erinnert er sich. „Ich bekam noch nicht mal eine Rechnung für all das was ich bezahlt hatte.“ Die Gearys behaupten sogar, dass Scientologen Dorothy zwei Wochen als Geisel in einer Berghütte festgehalten haben, worauf sie wegen eines nervlichen Zusammenbruchs im Krankenhaus behandelt werden musste.
The Rowe family
THE ROWE FAMILY SPENT $23,000 on Dianetics treatment. Like many dentists, Glover Rowe was drawn in by Sterling Management, which does not publicize its ties to Scientology.

Letzten Oktober brachte Sterling für einen anderen Zahnarzt, Glover Rowe aus Gadsden, Ala. und seine Frau Dee, schlechte Neuigkeiten. Tests zeigten, dass die Praxis von Glover bergab gehen würde und Dee ihr Kind quä len würde, wenn sie nicht für Auditing unterschreiben würden. Im den nächsten Monaten flogen die Rowes nach Glendale, Kalifornien, wo sie täglich zwischen einem örtlichen Hotel und dem Dianetic Zentrum hin und her pendelten. „Wir dachten, dass sie überaus fähige Leuten sind, weil es den Anschein hatte, dass sie sehr viel über uns wußten“, erinnert sich Dee. „Dann stellten wir fest, dass unser Hotelzimmer offensichtlich abgehört wurde.“ Nach Abschluß in dem Zentrum waren wir um 23.000 Dollar ärmer sagten die Rowes und zudem wurden sie von Scientologen zu Fuß und per Auto verfolgt. Zahnärzte waren aber nicht die Einzigen mit Risiko. Scientology setzte ebenso bei Chiropraktikern, Fußpflegern und Tierärzten an.

Beeinflussung der Öffentlichkeit. Eine Richtung, „ The Way to Happiness Foundation“, hat in Tausenden von öffentlichen Schulen der Nation mehr als 3,5 Millionen Kopien des Heftes, das Hubbard ü ber Moral geschrieben hat, verteilt. Die Kirche nannte diesen Plan „das größte Verbreitungs-Projekt in der Geschichte von Scientology.“ Applied Scholastics ist der Name einer anderen Truppe, die versucht Hubbards Lernprogramm an den öffentlichen Schulen zu installieren, insbesondere solche, die von Minderheiten besucht werden. Die Gruppe plant auch einen Campus von 1.000 Morgen, wo sie die Erzieher in den verschiedenen Methoden von Hubbard trainieren will. Die hinterhä ltig genannte „Citizens Commission on Human Rights“ ist eine Gruppe von Scientology, die Krieg führt gegen die Psychiatrie, ihre primären Mitbewerber. Die Kommission stellt typische Berichte zusammen, die insbesondere der Diskreditierung von verschiedenen Psychiatern, sowie auch im allgemeinen dienen soll. Das CCHR steht auch hinter dem umfassenden Krieg gegen Eli Lilly, dem Hersteller von Prozac, das meistverkaufte Antidepressiva der Nation. Trotz geringer Beweise behaupten die Gruppenmitglieder – die sich selber „Psychbusters“ nennen - , dass Prozac in den Mord oder Selbstmord treibt. Durch Massen- Postversand, Auftreten in Talk schows und starkem lobbying, verhindert das CCHR immer wieder den Verkauf des Arzneimittels und half Dutzende von Klagen gegen Lilly anzustrengen.

Eine andere, Scientology verbundene Gruppe, der „Verband der besorgten Geschäftsmänner von Amerika“ veranstaltet Anti-Drogen Kampagnen und vergibt Gelder von 5.000 Dollar an Schulen als eine Möglichkeit um Studenten anzuwerben und die Gunst der zuständigen Ausbildungsbeamten zu erhalten. Der Senator von West Virginia, John D. Rockefeller IV empfahl 1987 die CBAA unbeabsichtigt in die Senats-Sitzung. Letzten August war der Autor Alex Haley der Hauptsprecher beim jährlichen Auszeichnungsbankett in Los Angeles. Haley sagte: „Ich wusste nicht viel über die Gruppe, ich bin Methodist.“ Unwissenheit über Scientology kann beschämend sein: vor zwei Monaten verkündete der Gouvernor von Illinois, Jim Edgar, den 13 März zum L. Ron Hubbard Tag, und zwar mit der Feststellung, dass der Gründer von Scientology „ den menschlichen Verstand von Aberrationen geheilt hat." Er erklä rte die Proklamation Ende März für ungültig, als er gehört hatte, wer Hubbard wirklich war.

Gesundheitswesen. HealthMed, eine Kette von Kliniken, die von Scientologen betrieben werden, fördern ein aufwendiges und übertriebenes System von Saunagängen, Übungen und Vitaminen, die von Hubbard entworfen wurden, um den Körper zu reinigen. Experten bezeichnen das Ganze als Quacksalberei und potentiell schädlich, dennoch bittet HealthMed die Gewerkschaften und öffentliche Agenturen um Verträge. Diese ganze Reihe ist in einem neuen Buch zusammen gefasst, Diät für einen vergifteten Planeten, veröffentlicht von dem Journalisten David Steinmann, der die Schlussfolgerung zieht, dass eine Anzahl des herkömmlichen Essens (unter ihnen: Nüsse, Bluefish, Pfirsiche und Hüttenkäse) gefährlich ist.

Der frühere Stabsarzt General C. Everett Koop bezeichnete das Buch als „Unsinn“ und der Arzneimittelverband gab im Oktober ein Papier heraus, indem festgestellt wird, dass Steinmann seine Angaben verzerrt. HealthMed ist ein Tor in Scientology und Steinmanns Buch ist ein Mechanismus dazu sagt der Arzt William Jarvis, der Vorsitzende der Nationalen Vereinigung gegen Betrug im Gesundheitswesen. Steinmann, der Hubbard vorzugsweise als „Forscher“ beschreibt, bestreitet jegliche Verbindung zu Kirche und stellt fest, „HealthMed hat keine, mir bekannte Verbindung zu Scientology.“

Drogenbekämpfung. Hubbards Behandlung mittels Reinigung sind die Hauptstützen von Narconon, eine Reihe von Niederlassungen von Scientology mit 33 Centren zur Bekämpfung von Alkoholismus und Drogenabhä ngigkeit – einige davon in Gefängnissen unter dem Namen „ Criminon“ – in 12 Staaten. Narconon, ein klassisches Zugpferd um Sü chtige in den Kult zu bringen, plant nun etwas zu eröffnen, was sie als weltgrößte Behandlungs - Centrum bezeichnen, eine 1.400 Betten- Einrichtung in einem Indianer-Reservat nahe Newkirk, Okla. (pop.2.400) Bei einer Zeremonie 1989 in Newkirk, hat die Vereinigung für „Better Living and Education“ Narconon einen Scheck von 200.000 Dollar übergeben sowie eine Studie, die deren Arbeit lobte. Wie sich herausstellte war die Vereinigung ein Teil von Scientology selber. Heute kämpft die Stadt darum, den Kult wieder los zu werden, der durch solche Taktiken wie den Einsatz von Privatdetektiven den Bürgermeister und die örtlichen Zeitungen schikaniert.

Finanzielle Betrügereien. Drei Scientologen aus Florida, einschließlich Ronald Bernstein, ein großer Spender in die „Kriegs- Kasse“ der Curch Internatioal, wurden im März für schuldig befunden ihr Geschäft mit seltenen Münzen als Geldwäsche benutzt zu haben. Durch andere notorische Aktivitäten von Scientologen ging die Börse von Vencouver immer weiter nach unten (siehe Kasten), umfassten Planungen den operativen Eingriff in die Welt-Bank um Einfluss auf den Internationalen Währungsfond sowie auf die Import und Export Bank der U.S. zu nehmen. Der angebliche Zweck dieses Planes war Insider-Informationen zu gewinnen und zu erfahren welchen Lä ndern Kredite gewährt wurden und es dadurch mit Scientology verbundenen Geldhändlern zu ermöglichen durch kurzfristige Geldankäufe der jeweiligen Landeswährung illegale Gewinne zu machen.

An der Börse erzeugte diese Praxis der kurzfristigen Ankä ufe von Anteilen öffentlicher Gesellschaften die Hoffnung, dass die Preise nach unten gehen, bevor die Aktien auf dem Markt gekauft werden müssen und zum Herausgeber zurückgehen. Die Gebrüder Feshbach aus Palo Alto, Calif. – Kurt, Joseph und Metthew – brachten es zu den führenden Kurzaufkäufern der U.S. mit 500 Millionen Dollar under management. Die Feshbachs befehligten ungefähr einen Personalstand von 60 Angestellten und behaupteten bessere Gewinne gemacht zu haben als der überwiegende Dow Jones Durchschnitt für die Industrie im Jahre 1980. Und sie sagten, dass sie das Alles den Lehren von Scientology verdanken, deren „Kriegskasse“ mehr als 1 Million Dollar von der Familie erhielt.

Die Feshbachs übernehmen auch die Taktik der Kirche; die Brüder sind der Terror der Devisen-Börse. In Kongress-Anhörungen im Jahre 1989 behaupteten verschiedene Führer von Gesellschaften, dass verdeckte Mitarbeiter der Feshbachs falsche Informationen bei Regierungsbehörden gestreut haben und zwar in verschiedenen Variationen – ebenso wie offizielle Beamte der Wechselkommission –mit dem Ziel ihre Gesellschaften zu diskreditieren und die Aktien nach unten zu treiben. Michael Russell, der eine Reihe von Wirtschaftszeitungen leitete, bezeugte, dass ein Mitarbeiter von Feshbach seine Banker angerufen und sich in seine Kredite eingemischt hat. Manchmal beauftragten die Feshbachs Privatdetektive um bei Firmen nach Schmutz zu suchen, den sie dann bei Wirtschaftsreportern, Brokern und Kapital-Managern streuten.

Die Feshbachs, die Jackets mit der Aufschrift „stock Busters“ trugen, behaupteten ihre Geschäfte seien sauber. Aber als Teil einer laufenden Untersuchung über möglichen Insider Handel an der Börse ermittelten Bundesbeamte, ob die Feshbachs vertrauliche Informationen von Angestellten der FDA erhalten haben. Es scheint, dass die Brüder sich dem Krieg von Scientology gegen die Psychiater und die Ärzte anschließen: viele ihrer Ziele sind Hersteller in der Gesundheitsindustrie sowie Bio-Technologie Firmen. „ Rechtlich zulässige kurzfristig angelegte Verkäufe bewirken einen Dienst an der Ö ffentlichkeit, indem sie den Kurs von zu hoch bewerteten Aktien regulieren“ sagt Robert Flaherty, der Redakteur einer Aktien-Zeitschrift und harter Kritiker der Gebrüder. "„Aber die Feshbachs haben den Punktestand für einen guten Start kaputt gemacht.“

Gelegentlich landen Scientologen, die solche gewagten Unternehmen durchführen im Gefängnis. Letzten August trat ein früherer Anhänger namens Steven Fishman eine fünfjährige Gefängnisstrafe in Florida an. Sein Verbrechen: Entwenden von Blankoformularen zur Aktienzeichnung bei seinem Arbeitgeber, einem bedeutenden Unternehmen im Aktienhandel, um diese als Beweis zu benutzen für entsprechende Klagen in Dutzenden von erfolgereichen Gerichtsverhandlungen als Inhaber der Aktien. Fishman machte zwischen 1983 und 1988 auf diese Weise ungefähr 1 Million Dollar Gewinn und verwendete an die 30% seiner Einnahmen für Bücher und Vorträge von Scientology.

Scientology bestreitet jegliche Verbindung zu Fishmans Coup, eine Behauptung, der sowohl von Fishman wie von seinem langjährigen Psychiater Uwe Greetz, einem prominenten Hypnotiseur aus Florida, widersprechen. Beide Mä nner behaupten bei ihrer Verhaftung, dass Fishman den Befehl von Kirche hatte, Greetz zu töten und dann den „EOC“, oder End of cycle anzuwenden, was im Kirchenjargon Suizid bedeutet.

Buchveröffentlichungen. Die Unruhestiftung von Scientology hat sogar die Buchindustrie erreicht. Seit 1985 sind etwa ein Dutzend Bücher von H ubbard, gedruckt von einem Unternehmen der Kirche, auf der Bestseller Liste. Sie bewegen sich von einer 5.000 Seiten sci-fi decology (Black Genesis, The Enemy Within, An Allien Affair) bis zu dem 40 Jahre alten Buch Dianetik. 1988 wurde der tote Autor in den wöchentlich erscheinenden Listen mit seinem Buch Dianetik für 100 aufeinanderfolgende Wochen als Bestseller aufgeführt.

Time Magazine Article 05-06-1991

Kritiker zerreißen die meisten Bücher von Hubbard als nicht lesbar, während Aussteiger behaupten, dass in manchen Fällen Insider der Kirche die wirklichen Autoren wären. Jedenfalls hat Scientology eine ganze Armee von Anhängern ausgesandt um die Bücher der Gruppe zu kaufen, und zwar in solch bedeutenden Buchketten wie B. Dalton und Waldenbooks, um die Illusion eines Bestseller Autors aufrecht zu erhalten. Ein früherer Manager von Dalton sagt, dass einige Bücher in seinem Geschäft ankommen, die noch den Preisaufkleber der Ladenkette haben, was bedeutet, dass Kopien wieder verwendet werden. Scientology behauptet, dass der Verkauf der Bücher von Hubbard weltweit auf 90 Millionen gestiegen sind. Das Programm dient dazu Gewinne und Glaubwürdigkeit zu zeigen und ist gekoppelt mit Radio und TV Reklamekampagnen, so gut wie noch nie da gewesen in der Buch Industrie.

Scientology verwendet enorme Ressourcen um seine Feinde zu zerschlagen. Im Jahre 1986 wurden Hubbard und seine Kirche zum Thema in vier unfreundlichen Büchern, herausgegeben von kleinen mutigen Verlegern. In jedem Fall wurden die Schriftsteller belästigt und verklagt. Einer der Richtlinien von Hubbard ist, dass alle erkannten Feinde „Freiwild“ sind und daher „betrogen, verfolgt, belogen oder zerstört werden können.“ Alle, die die Kirche kritisieren, Journalisten, Ärzte, Anwälte und selbst Richter finden sich in Prozesse verwickelt wieder, beobachtet von Privatdetektiven, erfundener Verbrechen beschuldigt, oder sie werden verprügelt oder mit dem Tod bedroht. Die Psychologin Margaret Singer, 69, eine ausgesprochene Kritikerin von Scientology und Professorin an der Universität von Kalifornien Berkeley, reist seither unter einem anonymen Namen um Belästigungen zu vermeiden.

Nachdem die Los Angeles Times letzten Sommer eine negative Serie über die Kirche veröffentlicht hat, gab Scientology ungefähr eine Million Dollar aus, um den Namen der Reporter auf Hunderten Reklametafeln und Bus-Plakaten zu veröffentlichen. Über ihren Namen waren Zitate, die aus dem Zusammenhang gerissen waren und die Kirche in einem positiven Licht zeigten.

Die gefürchtetsten Befürworter der Kirche sind ihre Anwälte. Hubbard warnte seine Anhänger in Schreiben „sich vor Anwälten zu hüten, die ihnen erzählen nicht zu klagen...“der Zweck der Klage ist viel mehr zu belästigen und zu entmutigen, denn zu gewinnen.“ Ergebnis: Scientology brachte Hunderte von Klagen gegen seine erkannten Feinde vor und zahlt heute eine Summe von ungefähr 20 Millionen Dollar jährlich an mehr als 100 Anwälte.

Eines der legalen Ziele von Scientology ist es, die Gegenseite bankrott zu machen oder sie mit Papier zu begraben. Die Kirche führt allein derzeit 71 Gerichtsverfahren gegen den IRS. In einem dieser Gerichtsverfahren, Miscavige vs. IRS, wurde von den U.S verlangt einen Index von 52.000 Seiten Dokumenten zu produzieren. Michael Flynn, Anwalt aus Boston, der Opfern von Scientology von 1979 bis 1987 half, wurde persönlich mit 14 unsinnigen Gerichtsverfahren belegt, die alle abgewiesen wurden. Ein anderer Anwalt, Joseph Yanny, glaubt, dass die Kirche „die Gerechtigkeit und das Rechtssystem so untergraben hat, so das es in keinem Gerichtssaal mehr zur Gerechtigkeit kommen kann.“ Er sollte es wissen: Yanny vertrat den Kult bis 1987, als er, wie er selbst sagt, gefragt wurde Mitarbeitern der Kirche dabei zu helfen medizinische Berichte zu stehlen um damit den Gegenanwalt zu erpressen (der stattdessen angeblich verprügelt wurde). Seit Yanny seine Vertretung für die Kirche nieder gelegt hat, war er Ziel von Todesdrohungen, Gerichtsverfahren und anderen Belä stigungen.

Die Kritiker von Scientology kämpfen dafür, dass die U.S etwas gegen die Kirche unternehmen müssen und zwar ganz gezielt. „Ich möchte wissen, wo unsere Regierung ist?“ fragt Toby Plevin ein Anwalt aus Los Angeles, der Oper vertritt. „Die Prozesse sollten nicht von Privatklä gern geführt werden müssen, weil die Gott weiß welche Ängste haben in solche Sachen verwickelt zu werden.“ Aber offizielle Gerichtsbeamte sind auch umsichtig. „Jeder Ermittler ist sehr vorsichtig, geht wie auf rohen Eiern, wenn es um die Kirche geht,“ sagt ein Polizeibeamter aus Florida, der den Kult seit 1988 beobachtet hat. „Es bedarf außerordentlicher Anstrengungen sowie viel Geld und viel Arbeitskraft.“

Eine der Behörden, die Scientology den meisten Kummer bereitet ist der IRS, dessen Beamte angedeutet haben, dass die Nachfolger von Hubbard möglicherweise die Kirche ausbeuten. Seit 1988, als der oberste Gerichtshof der U.S. die Aufhebung der Steuerbefreiung des Kults bestätigte, begann eine massive Untersuchung der Zentren der Kirche im ganzen Land. Ein Mitarbeiter des IRS, Marcus Owens, hat geschätzt, dass etwa Tausend Angestellte des IRS damit befasst waren. Ein anderer Mitarbeiter sprach in einem internen IRS - Papier voll Hoffnung von einem „weitesten Zerfall“ der Kirche. Ein kleiner aber sehr hilfreicher Lichtblick tat sich letzten Juni auf, als ein Bundesgericht feststellte, dass zwei Kassetten als Beweismittel dienten, die eine Unterhaltung zwischen Mitarbeitern der Kirche und ihren Anwälten enthielten, wobei es um den Plan eines „zukünftigen Betrugs“ gegenüber dem IRS ging.

Die IRS und das FBI haben Aussteiger aus Scientology über ihre letzten drei Jahre befragt um somit Beweise für eine größere Gaunerei zu finden, die offensichtlich letzten Sommer abgelaufen ist. Bundesbeamte beklagen, dass das Justizministerium nicht bereit ist genügend Geld zur Verfügung zu stellen das benötigt wird für entsprechende Wege im Krieg gegen Scientology oder für Gegenmaßnahmen bezüglich der notorischen „Jihads“ gegen einzelne Beamte. „Nach meiner Auffassung führt die Kirche eine der effektivsten Geheimdienst-Operationen der U.S. aus und konkurriert damit sogar mit dem FBI,“ sagt Ted Gunderson, ein ehemals leitender Beamter des FBI-Büros in Los Angeles.

Ausländische Regierungen haben sich energisch gegen die Organisation zur Wehr gesetzt. In Kanada wird die Kirche und neun Mitglieder im Juni vor Gericht gestellt wegen Diebstahls von Regierungsdokumenten (viele von ihnen wurden bei einer Durchsuchung der Kirche in Toronto sichergestellt). Scientology schlug vor, 1 Million Dollar an Bedürftige zu zahlen, wenn der Fall eingestellt würde, aber Kanada schlug das Angebot aus. Seit 1986 haben Behörden in Frankreich, Spanien und Italien mehr als 50 Zentren von Scientology durchsucht. Anhängige Klagen gegen mehr als 100 Kirchenmitglieder in Übersee schließen Betrug, Erpressung, Kapitalflucht, Zwang, illegale medizinische Praktiken sowie Ausbeutung von geistig abhängigen Personen ein. In Deutschland haben letzten Monat führende Politiker den Kult beschuldigt dass er versucht habe eine führende Partei zu unterwandern und zudem noch eine enorme Anwerbungskampagne im Osten durchzuführen.

Manchmal genießen die größten Eiferer der Kirche sogar eine Art Schutz. Der Leinwandstar Travolta, 37, diente lange als inoffizieller Sprecher von Scientology obwohl er 1983 einer Zeitschrift gesagt hatte, dass er gegen das Management der Kirche sei. Hochrangige Aussteiger behaupten Travolta habe lange befürchtet, dass bei einem Ausstieg seinerseits Details seines sexuellen Lebens publik gemacht werden würden. „Er fühlte sich eingeschüchtert bezüglich dieser Möglichkeiten und sagte es mir auch so, “ erinnert sich William Franks, der ehemalige Vorsitzende der Kirche. „Es gab keine direkten Drohungen, die gemacht wurden, es war mehr indirekt. Wenn sie weggehen beginnen sie sofort alles auszugraben.“ Frank war 1981 gefeuert worden da er versucht hatte die Kirche zu reformieren.

Der ehemalige Leiter der Sicherheitsabteilung der Kirche, Richard Aznaran, erinnert sich, dass der Anführer von Scientology, Miscavige, sich ständig gegenüber seinen Mitarbeitern über Travoltas angebliche wechselnde homosexuelle Beziehungen lustig machte. In diesem Punkt gegenüber Travolta eine Drohung auszusprechen erschein überflüssig: Letzten Mai erhielt ein Porno-Star 100.000 Dollar von einem Boulevardblatt für die Geschichte seiner angeblichen zweijährigen Beziehung mit dem Star. Travolta lehnte jeden Kommentar ab und im Dezember wies sein Anwalt Fragen über diese Sache als „ bizarre“ ab. Zwei Wochen später verkündete Travolta seine bevorstehende Eheschließung mit der Scientology-Anhängerin Kelly Preston.

Kurz nach Hubbards Tod verpflichtete die Kirche Trout&Ries, eine angesehene Firma aus Connecticut für Marketing-Beratung, um ihnen zu helfen ihr Ansehen zu verbessern. „Wir waren brutal ehrlich,“ sagt Jack Trout. „Wir rieten ihnen mit ihrem Verhalten aufzuräumen, ihre Streiterein einzustellen und sogar damit aufzuhören eine Kirche zu sein. Sie wollten das nicht hören.“ Stattdessen verpflichtete Scientology eines der größten PR- Unternehmen des Landes, Hill und Knowlton, deren Manager es ablehnten die lukrativen Beziehungen zu diskutieren. „Hill und Knowlton muss es klar sein, dass diese Burschen nicht an die Wand zu drücken sind,“ sagt Trout. „ Außer wenn es sich um Geld dreht.“ Eine der hauptsächlichen Strategien von Scientology ist, dass das vage Argument eine Kirche zu sein und von Religionsfeinden verfolgt zu werden geglaubt wird. In dieser Position werden sie von der „Amarican Civil Liberties Union“ und der National Council of Churches“ unterstützt. Aber letztendlich geht es Scientology einzig und allein um Geld. So lange wie die Gegner und die Opfer der Organisation erfolgreich niedergewalzt werden, werden die Manager und Anwälte von Scientology weiterhin Millionen von Dollars durch die erfolgreiche Mithilfe die Ziele von Scientology zu erreichen, einstecken.


 

Mining Money in Vancouver

(Sidebar; Seite 54)

Eines der Geldmittel der in Los Angeles ansässigen Kirche ist die, sich notorisch selbst regulierende Börse in Vencouver, British Columbia, oft auch das Betrugs-Kapital der Welt genannt. Die Börse mit einem Vorrat von 2.300 Penny vermeldet Umsätze von jährlich 4 Milliarden Dollar. Örtliche Jornalisten und Insider behaupten, dass diese gewaltige Menge von totalen Nieten bis hin zum Betrug reicht.

Zwei Scientologen, die dort operieren sind Kenneth Gerbino und Michael Baybak aus Beverly Hills, Veteranen der Kirche seit 20 Jahren und die grö ßten Spender an den Kult. Gerbino, 45, ist ein Geld-Manager und Verleger eines nationalen Newsletter für Finanzen. Er hat in Zeitschriften von Scientology damit geprahlt, dass er seine Erfolge an der Börse L. Ron Hubbard zu verdanken habe. Das sagt nicht viel: Gerbinos Empfehlungen in den Newsletters sind seit 1985 um 24 % rückläufig, während der industrielle Dow Jones sich mehr als verdoppelt hat. Trotzdem können Gerbinos kurzfristige Gewinne phantastisch sein. Eine Umfrage im letzten Oktober befand, dass Garbino der einzige Manager ist, der im dritten Quartal des Jahres 1990 Geld gemacht hat durch Gold und Aktienreserven. Im ersten Quartal des Jahres 1991 war Garbino absolut hinten an. Baybak, 49, der eine Firma für PR betreibt, deren Personal Scientologen sind, hat offensichtlich keine Ethik-Probleme mit der Planung einer feindlichen Übernahme einer Firma, die ihn für Verbesserungen angeheuert hatte.

William Jordan
ATHENA GOLD'S WILLIAM JORDAN    Cult member got cheap stock, then ran him out of the company

Keiner der Männer wollte für diese Story interviewt werden, beide drohten aber mit entsprechenden Schritten durch ihre Anwälte. „ Was diese Typen machen ist die Übernahme von Companies und Aktien, dann verkaufen sie ihre Anteile und nichts bleibt übrig,“ sagt John Campbell, ein ehemaliger Versicherungsanwalt, der Direktor der „Mining Company Athena Gold“ war bis sie von Baybak und Gerbino übernommen wurde.

Das Muster ist vertraut geworden. Das Paar förderte ein Bergbauunternehmen, Skylark Resources genannt, dessen Wert pro Aktie 1987 bei fast 4 Dollar pro Stück stand. Die Sache hielt nicht lange und die Aktien sanken auf 2 Cent das Stück. NETI Technologies, ein Sofware-Unternehmen wurde in der Presse als „das nächste Xerox“ hochgespielt und im Jahre 1984 stieg der Markwert auf 120 Millionen Dollar mit der Hilfe von Baybak. Die Gesellschaft, die später zusammenbrach, wurde vor zwei Monaten an der Börse in Vencouver gestrichen.

Baybak erschien 1989 ganz oben in den Wall Street Ventures, wo verkündet wurde, dass er im Besitz von 35 Tonnen seltener Briefmarken des mittleren Ostens sei – Wert 100 Millionen Dollar – und noch zusätzlich der Welt größte Sammlung von arabischen Briefmarken kaufen würde (Wert 350 Millionen Dollar). Steven C. Rockefeller Jr., Mitglied der Ö lfamilie und der ehemaliger Hocky-Star Denis Potvin übernahmen Spitzenplätze in der Firma, sagten aber, dass sie sich zurückgezogen hätten, als sich herausstelle, dass die Briefmarken wertlos waren. „Die Briefmarken sind von einer Sand-Dünen-Nation geschaffen worden um Sammler auszubeuten,“ sagt Michael Laurence, Herausgeber der Linn Stamp News, Amerikas größtes Briefmarkenjournal. Nachdem die Aktie bis 6 Dollar hochgegangen war, begann sie beständig zu fallen, wobei Baybak seine Anteil nach und nach abstieß. Heute sind sie 18 Cents wert.

Athena Gold, das aktuelle Objekt der Interessen von Baybak und Gerbino, war von dem Unternehmer William Jordan gegründet worden. Er wandte sich 1987 an einen etablierten Broker in Vencouver und bemühte sich darum die Gesellschaft, ein 4.500 Morgen Land Bergbau-Unternehmen, zu finanzieren. Der Broker versprach ihm ein Summe bis zu 3 Millionen Dollar aufzubringen und brachte kurz darauf Baybak und Gerbino mit ihn den Deal. Jordan bekam kaum etwas von dem Geld aber die Kultmitglieder konnten einen guten Deal verzeichnen mit billigen Aktien und Optionen. Danach wählten sie Direktoren, die ihnen wohl gesonnen waren und begannen mit einer ganzen Serie von Manövern um Jordan bezüglich seiner Stimmrechte über seine Aktien zu blockieren und ihn aus der Companie raus zu drängen. „Ich bin mein Leben lang ein ehrlicher Polizist gewesen und ich habe die übelsten Machenschaften gesehen und dies zählt viel,“ sagt der ehemalige Aktieninhaber Thomas Clark, 20 Jahre lang bei der Polizei von Reno, der sich mit Jordan zusammen getan hatte um zu versuchen, die Goldmine zurück zu bekommen. „Sie haben dem Mann sein Eigentum gestohlen.“

Mit Baybak als Vorsitzender förderten die zwei Scientologen sowie ihre Mitarbeiter Athena nicht immer exakt. Ein Brief an die Aktieninhaber mit dem jährlichen Bericht für 1990 behauptet, dass Placer Dome, eine der grö ßten Gold-Minen-Unternehmen in Amerika, sich verpflichtet habe mindestens 25.5 Millionen Dollar zu investieren, um die Mine zu fördern. Das sind Neuigkeiten für Placer Dome. „Es gibt keinerlei Verpflichtungen,“ sagt der leitende Mitarbeiter von Placer, Cole Mc Farland. „Wir werden dieses Geld nicht ausgeben, außer wenn Umfrageergebnisse diese Ausgaben rechtfertigen.“

Baybaks Firma repräsentierte Western Resource Technologies, eine Öl- und Gas Kompanie in Housten, wurde jedoch im Oktober gefeuert. Lachend erklärt Steven McGuire, Präsident der Western Resource: „Es ist eine P.R. Firma, die eine P.R. Firma braucht.“ Aber McGuire hat nicht zuviel zum Lachen, Baybak und andere Scientologen, einschließlich der Besitzverwalter von L. Ron Hubbard kontrollieren riesige Aktienpakete seiner Kompanie.


 

(Der folgende Teil wurde nur in der Internationalen Ausgabe der TIME veröffentlicht)

Der Druck außerhalb der U.S.

Die Präsenz von Scientology in Europa und Kanada

von Richard Behar

In den Jahren von 1960 bis 1970 gebrauchte L. Ron Hubbard immer wieder umgebaute Schiffe mit ergebenen Anhängern um herum zu segeln und seine Wort zu verkünden. Ein Land nach dem anderen – Britanien, Griechenland, Spanien, Portugal und Venezuela – schlossen ihre Häfen, überwiegend wegen des öffentlichen Protestes. In einem Fall entzog ein Gericht in Australien der Kirche den Status der Religion, in einem anderen verurteilte ein Gericht in Frankreich Hubbard in Abwesenheit wegen Betrugs.

Heute fahren die Günstlinge von Hubbard damit fort globalen und verheerenden Schaden anzurichten und es kostet die Regierungen erhebliche Mühen und Geld dies zu verhindern. In Italien geht ein zweijähriges Gerichtsverfahren gegen 76 Scientologen, unter ihnen der frühere Leiter der italienischen „Kirche“, dem Ende entgegen. Vor zwei Wochen forderte der Ankläger Pietro Forno für alle Beklagten, die wegen Erpressung, Betrug an „geistig abhä ngigen“ Menschen und Steuerhinterziehung von mehr als 50 Millionen Dollar vor Gericht stehen, eine Gefängnisstrafe. „Alle Opfer in diesem Verfahren haben bei Scientology Heilung oder ein besseres Leben gesucht,“ sagte Forno, „aber die Scientologen sind Amateur-Psychiater, die psychologischen Terrorismus praktizieren.“ Für einige Opfer, fügte er hinzu. „waren die Eingriffe von Scientology verheerend.

Der Fall in Mailand war von Eltern ausgelöst worden, da Scientology die Kinder im finanziellen Würgegriff hatte, die der Kirche oder Narconon, einem Drogenrehabilitationsprogramm, beigetreten waren. Im Jahre 1986 fü hrte die Steuerfahndung und eine paramilitärische Einheit der Polizei Durchsuchungen in 20 Städten Italiens durch, schlossen 27 Zentren von Scientology und beschlagnahmten 100.000 Dokumente. Um sich vor Gericht zu verteidigen hat der Kult einige von Italiens berühmtesten Anwälten verpflichtet.

In Kanada benutzt Scientology ein juristisches Team, dem auch Clayton Ruby angehört, einer der Spitzenanwälte des Landes für Zivilrecht, um sich und neun ihrer Mitglieder zu verteidigen, die im Juni in Toronto vor Gericht stehen. Die Anklagepunkte sind: Diebstahl von Dokumenten Scientology betreffend, aus dem Büro des Generalstaatsanwaltes, dem Kanadischen Verband für geistige Gesundheit, aus zwei Polizeiunterkünften sowie anderen Institutionen. Der Fall entstand durch eine überraschende Durchsuchung im Jahre 1983 in dem Hauptquartier der Kirche in Toronto durch mehr als 100 Polizeibeamte, die in drei gecharterten Bussen kamen; etwa 2 Millionen Seiten Dokumente wurden während zwei Tagen beschlagnahmt. Ruby, dessen legale Manöver den Fall über Jahre hinzogen, versucht eine Einstellung des Verfahren wegen „ übertriebener Verzögerung“ zu erreichen.

Dianetics ad
This cult means business: ad on a Paris building for Dianetics. Below, the books are stacked by Scientologists to resemble a Rolls-Royce.
Dianetics Campaign: Books stacked to resemble a Rolls Royce

Das spanische Justizministerium hat Scientology zweimal den Status einer Religion verweigert, was die Verbreitung der Kirche jedoch nicht unterbunden hat. Im Jahre 1989 hat das Gesundheitsministerium zwei Berichte heraus gegeben, in denen die Sekte „Totalitär“ und „ schlichtweg als Scharlatanerie“ bezeichnet wurde. Im Jahr zuvor hatten die Behörden 26 Kirchenzentren durchsucht was zur Folge hatte, dass 11 Scientologen wegen Verfälschung von Berichten, Ausübung von Zwang und Kapitalflucht vor Gericht gestellt wurden. „Der tatsächliche Gott dieser Organisation ist Geld,“ sagte der Friedensrichter von Madrid, Jose Maria Vasquez Honrubia, bevor er den Fall an ein nächst höheres Gericht abgab, weil er für ihn zu komplex war. Eugene Ingram, ein Privatdetektiv, der für Scientology arbeitet, behauptet, dass er dafür gesorgt habe, dass Honrubia der Fall entzogen wurde, da dieser nicht öffentliche Dokumente an die Presse gegeben habe.

In Frankreich führte ein Todesfall dazu die Regierung zum Handeln zu bringen: 16 Scientologen wurden letztes Jahr wegen Betrug und „Mittä terschaft bei illegalen medizinischen Praktiken“, was den Tod eines Industriedesigner aus Lyon zur Folge hatte, angeklagt. In dem Haus des Opfers fanden Ermittler Medikamente, die ihm angeblich von der Kirche ohne jegliche ärztliche Beratung verabreicht wurden. Unter den Angeklagten in diesem Fall ist auch der Präsident der Niederlassung von Scientology in Frankreich und der Führer des Pariser Celebrity Center, die sich um berühmte Mitglieder bemühen.

Außerhalb der U:S scheint Scientology am aktivsten in Deutschland zu sein, wo der Generalstaatsanwalt des Staates Bayern den Kult als „ deutlich totalitär“ gebrandmarkt hat und dabei auf die „ wirtschaftliche Ausbeutung der Kunden, die darin verstrickt sind“ abzielte. Im Jahre 1984 durchsuchten an die 100 Polizeibeamte die Kirche in München. Zur Zeit bemühen sich städtische Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Steuerinspektoren der U.S um den Nachweis dafür, dass der Kult lediglich ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen ist. In jüngster Zeit bemühen sich Mitarbeiter der Stadt Hamburg darum Scientology die Steuerreduzierungen zu entziehen, wä hrend Parlamentsabgeordnete nach kriminellen Vorgängen suchen. Noch in einem anderen Bereich verbinden sich Kirche und Management von Beratungsunternehmen und zwar über die Infiltration von kleinen und mittleren Betrieben in ganz Deutschland, so jedenfalls in einem Artikel im Nachrichtenmagazin SPIEGEL beschrieben; die Berater, die ihre Verbindung zu Scientology verbergen, veranlassen Angestellte dazu die Methoden von Hubbard anzuwenden. Eine deutsche Antikult-Organisation schätzt, dass Scientology etwa 60 Splittergruppen hat, die im ganzen Land operieren. Deutsche Politiker scheinen sich auch mit den Eiferern von Hubbard zu beschäftigen. Im März haben die freien Demokraten, Koalitionspartner von Helmut Kohl in Bonn, Scientology beschuldigt, dass sie ihre Vertretung in Hamburg unterwandern wü rden. Inzwischen hat die größte Oppositionspartei, die Sozialdemokraten, die Kirche davor gewarnt Bewohner der früheren DDR auszubeuten. Selbst Bundesbeamte werden von der Kirche benutzt: eine Frontgruppe von Scientology verschickte Kopien von Hubbards Pamphlet über Moral an Mitglieder des Bundestages. Das Büro des Außenministers Hans-Dietrich Genscher unterstützte die Mitteilung von Scientology unabsichtlich: „Tatsächlich wäre die Welt schöner, wenn die Prinzipien, die in der Schrift, ein Leben geprägt von Vernunft und Verantwortung, in der Welt mehr Beachtung finden würde.“


 

Die Scientologen und ich
(Kasten auf Seite 57)

Seltsame Dinge scheinen denen zu passieren, die über Scientology schreiben. Die Journalistin Paulette Cooper schrieb 1971 ein kritisches Buch ü ber den Kult. Dies führte zu einer Verschwörung seitens Scientology( Operation Freak-Out genannt), deren Ziel es war, gemäß den Dokumenten der Kirche, „P.C. in die Klapsmühle oder ins Gefängnis zu bringen.“ Fast funktionierte es: durch eine Doppelgängerin der Person Cooper erreichten die Scientologen 1973 eine Klage gegen sie, wegen einer Bombendrohung gegen die Kirche. Cooper, die in weitere 19 Gerichtsverfahren durch die Kirche verwickelt war, wurde schließlich 1977, nach einer Durchsuchung der Bü ros der Kirche in Los Angeles und Washington entlastet, da Dokumente bezü glich des Bombenattentats gefunden wurden. Kein Scientologe wurde je wegen diese Sache belangt.

Wegen der Geschichte in der TIME wurden letztlich 10 Anwälte und sechs Privatdetektive von Scientology und seinen Anhängern damit beschäftigt mich zu bedrohen, zu belästigen und zu diskreditieren. Letztes Jahr, am 12 Oktober, kurz nachdem ich mit diesem Projekt begonnen hatte, plante ich ein Essen mit Eugene Ingram, dem führenden Privatdetektiv der Kirche und früheren Polizisten. Ingram, der 1981 aus der Polizei von Los Angeles rausgeschmissen wurde wegen seiner Verbindungen zu Prostituierten und Drogenhändlern, hatte mir erzählt, dass er möglicherweise ein Treffen mit dem Boss der Kirche, David Miscavige arrangieren könnte. Nur einige Stunden vor dem Essen rief der „nationale Gerichtsberater“ Earle Cooley an und unterrichtete mich darüber, dass ich allein essen müsse.

Scientology Attorney Earle Cooley
Church attorney Cooley 

Allein vielleicht, aber nicht vergessen. Am Ende des Tages erhielt ich einen Bericht über meinen persönlichen Kreditrahmen bei meiner Bank -- mit detaillierten Angaben über meinen Kontostand, meine Kreditbelastungen auf meinem Haus, meinen Kreditkartenzahlungen, meiner Anschrift und Sozialversicherungsnummer – der illegal über ein Nationales Kreditbüro namens Trans Union eingeholt worden war. Die angebliche Gesellschaft, die es erhalten hatte, „Educational Funding Services“ aus Los Angeles, gab eine Adresse an, die nur einige Block vom Hauptquartier der Scientology entfernt lag. Der Besitzer des Briefkastens ist ein Privatdetektiv mit Namen Fred Wolfson, der zugibt, dass ein Kollege von Ingram ihn aufgefordert habe Kreditberichte von verschiedenen Personen anzufordern. Wolfson sagt, dass ihm erzählt wurde, dass die Anwälte von Scientology „ein Gerichtsverfahren gegen die Leute führen und bemüht sind, alles über sie zu erfahren.“ Jetzt sagt er, „diese Leute sind gemein. Sie sind Vipern.“ Durch einen Anwalt lies Ingrame darlegen, dass er in keiner Weise in den Vorfall verwickelt sein.

Während der letzten fünf Monate, haben private Ermittler sich an meine Nachbarn und ehemaligen Kollegen herangemacht um sich über mich zu erkundigen, solche Dinge, wie meine Gesundheit (wie meine Kreditwü rdigkeit ist sie bestens) und ob ich je Ärger mit der Steuerbehörde gehabt habe (im Gegensatz zu Scientology habe ich keinen). Ein Nachbar von mir wurde morgens außerhalb meiner Manhattener Wohnung angesprochen und gefragt, ob ich dort lebe. Schließlich rief ich Cooley an, um ihn aufzufordern, dass Scientology mit dem Blödsinn aufhört. Er versprach mir sich darum zu kümmern.

Danach erhielt ich eine Vorladung von einem Anwalt, da eine falsche Darstellung glauben gemacht hatte, dass ich Anteile an eine Kompanie besä ße und man mir mitteilen wollte, dass diese von Scientology übernommen worden war (sie drohten mir auch damit die Aufsichtsbehörde und Wechsel- Kommission zu verständigen). Ein enger Freund in Los Angeles erhielt einen störenden Anruf von einem Scientology-Mitarbeiter, der Daten über mich abfragte – ein Anzeichen dafür, dass der Kult möglicherweise meine privaten Telefonaufzeichnungen beschafft hatte. Zwei Detektive kontaktierten mich und gaben sich als Freunde eines sogenannten Sektenopfers aus, nur um negative Aussagen über Scientology von mir zu hören. Einige Teile des Gespräche wurden auf Band aufgezeichnet, niedergeschrieben und von der Kirche in eidesstattlichen Erklä rungen den Anwälten der TIME vorgelegt, um damit meine Vorurteile bezü glich Scientology „zu beweisen.“

Unter den Bemerkungen, die ich einem der Detektive gegenüber machte, der sich als „Harry Baxter“ ausgab und behauptete ein Freund der Familie des Opfers zu sein war, dass „die Kirche Leute im Lügen trainiert.“ Baxter und sein Kollege waren kaum in der Position diese Angabe zu bestreiten. Sein richtiger Name ist Barry Silvers und er ist ein ehemaliger Ermittler des Justizministeriums gegen das Organisierte Verbrechen.

[Ende des Artikels]


 

10 Jahre später

Scientologen verlieren Klage gegen Time Magazine

17. Januar 2001

Ein US-Berufungsgericht befand, dass ein Artikel mit der Ü berschrift „Scientology: Kult der Habgier“ nicht mutwillig rufschädigend gewesen sei.

New York. Die Time - Titelgeschichte, an der Reporter Richard Behar fast ein Jahr lang recherchiert hatte, stammt aus dem Jahr 1991. Das Gericht befand, Richard Behar hatte nicht, wie der Kläger es als Vorwurf formulierte, unter „absichtlicher Vermeidung der Wahrheit“ über eine Aktienbetrügerei und einen versuchten Mord/Selbstmord berichtet an dem die Sekte beteiligt war.

(.........)

Sowohl der Richter der ersten wie auch der Richter der zweiten Instanz konnten die Sektenmeinung nicht teilen, der Reporter habe unzureichende Beweise für seine Behauptungen dargelegt und somit Rufmord begangen.

 
 

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